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Presse | Schwimmen | 28.01.2015

Die Infrastruktur passt, nur der Nachwuchs fehlt

Turmspringen: VfL Sindelfingen will Sparte der Schwimmabteilung aus ihrem Schattendasein befreien - Neuer Trainer steht bereit

Bist du mutig und traust dich was? Kannst du theoretische Anweisungen dank guter körperlicher Koordinationsfähigkeit auch in die Praxis umsetzen? Ist Höhenangst ein Fremdwort für dich? Und gehört auch Beweglichkeit zu deinen Stärken? Dann bist du hier genau richtig - beim Turmspringen.

VON MICHAEL SCHWARTZ

So, oder so ähnlich könnte sie aussehen - die Stellenausschreibung des VfL Sindelfingen für die Wiederbelebung einer Sparte der Schwimmabteilung, die zuletzt ein Schattendasein fristete.

"Ich habe es mir seit einigen Monaten persönlich auf die Fahnen geschrieben, wieder eine schlagkräftige Truppe aufzustellen", weiß Abteilungsleiter Mark Mohr, dass er eine gewisse Verantwortung für alle Sparten hat. "Bevor die ganz aufhören, muss man was machen." Nach 50 Jahren des Bestehens in Sindelfingen waren es lediglich die Senioren, die dem Turmspringen die Stange hielten. Als dann auch noch der 82-jährige Emil Bayer nach 45 Jahren aus Altersgründen als Trainer aufhörte, wusste Mark Mohr, dass etwas getan werden muss. Schließlich hat die Sportart eine erfolgreiche Vergangenheit beim VfL. Ein Hans Kruska holte von 1984 bis 2003 insgesamt 60 Titel bei deutschen Masters-Meisterschaften, war zehnmal Europa- und zweimal Weltmeister. Eine Ruth Jenssen krönte sich zweimal zur Weltmeisterin, holte bei diesem Wettbewerb zudem vier zweite Plätze und war 21-mal deutsche Meisterin. Weitere Könner waren Matthias Widmayer, Sabine Albrecht und Petra Gersonde, die ebenso aufs DM-Podest sprangen.

Bis der Verein wieder eine derartige Titelflut vermelden kann, wird es noch ein Weilchen dauern. Das ist den Verantwortlichen auch bewusst, dennoch gehen sie zuversichtlich an den Plan heran. "Spaß und Freude stehen im Vordergrund", sagt Mark Mohr. "Der Fokus geht aber schon Richtung Wettkampf und Leistungssport." Wäre ja auch schade, wenn man die vorzügliche Infrastruktur brachliegen ließe. Ein Fünfer unter dem Hallendach wie im Badezentrum Sindelfingen ist eine Seltenheit. Zudem steht hinter den Turmspringern eine starke Schwimmabteilung, die über die nötigen Kontakte verfügt. Auf diese Weise kennt Mark Mohr auch Rainer Markwirth, beim Württembergischen Schwimmverband zuständig fürs Springen. Der wiederum engagiert sich dafür, dass es in der gesamten Region Stuttgart eine Kooperation verschiedener Vereine geben kann. Springer, die an einem bestimmten Tag nicht zum Training in ihrer Heimatstadt können, dürfen einfach an einem anderen Tag zu einem anderen Klub. Weiterer Vorteil: Wer mehrere Trainer kennenlernt, bekommt eventuell auch verschiedene Tricks und Kniffe beigebracht. Auch der VfL Sindelfingen ist deshalb bei dieser Bündelung von Ressourcen dabei. Rainer Markwirth war es auch, über den der Kontakt zum neuen Trainer Franz Panzer zustande kam.

Der heute 55-Jährige Coach war selbst ein Spätzünder. Erst mit 38 kam Franz Panzer zum Turmspringen. "Man kann in diesem Alter schon noch was bringen, aber zu Höchstleistungen reicht es nicht mehr", räumt der Fellbacher ein. Daher richtet sich der Fokus beim VfL Sindelfingen auf den Nachwuchs. Denn auch beim Turmspringen gilt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. "Mit drei, vier Jahren können die Kinder schon zu uns kommen", hofft Franz Panzer auf regen Zuspruch. "Eigentlich, sobald sie schwimmen können."

Zweimal Training in der Woche sollten die Interessenten schon einplanen. "Mit einmal kommt man über Freizeitsprünge nicht hinaus", weiß der Trainer, der seine Schützlinge selbstverständlich behutsam aufbauen will. "Wir fangen auf dem Einser an. Wenn sie es dann beherrschen, geht es hoch auf den Dreier. Dann erst auf den Fünfer." Schließlich seien das schon vier Meter Höhenunterschied, "und die Sprungbretter werfen auch ganz anders als früher". Was er damit meint: Heutzutage kommt man dank Fiberglas deutlich höher hinaus als noch früher mit Holz. "Viereinhalb Salti waren zum Beispiel früher nie machbar", schüttelt Franz Panzer den Kopf.

Stefan Raab dankbar, dass er die Randsportart ins TV gebracht hat

Vorführen kann er derartige Kunststücke eh nicht, dafür in der Theorie am Boden erklären. Zum Beispiel mit Videomaterial von Wettkämpfen, die im TV laufen. Apropos: Stefan Raab ist der Fellbacher durchaus dankbar für "Das große TV Total Turmspringen". So wurde die Randsportart auch ins Mainstream-Fernsehen gehoben. "Das Interesse bei uns war schon da", schildert Christoph Schönleber aus der VfL-Schwimmabteilungsleitung. "Eine Handvoll Leute haben pro Jahr nachgefragt." Und die haben jetzt wieder eine Anlaufstelle beim VfL Sindelfingen.