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Presse | Eissport | 08.09.2012

Das hohe Lied auf den VfL Sindelfingen

Für Gerold Siegmund ist der VfL Sindelfingen nicht einfach nur irgendein Verein. Der 75-Jährige ist seit vielen Jahren mit Herz und Leidenschaft dabei. Unter anderem ist er seit 1976 Chef der Eissport-Abteilung. Zum 150-jährigen Jubiläum hat Gerold Siegmund ein Gedicht verfasst.

Deutschland, deine Sportgeschichte

wird geprägt durch die Vereine,

die es gibt in hoher Dichte,

mal als große, mal als kleine.

Wir ehren heute einen alten,

der sich aber gut gehalten.

Geführt von einer jungen Frau

und keine Alten, weiß und grau.

Mit einer Angebotspalette,

länger als `ne Demokette,

für Junge, Alte und Aktive

und Ansprechpartner für viel Passive.

Hier gibt`s fast alles, außer Singen

und hoch sich in die Lüfte schwingen,

kein Bootswettkampf, auch nicht im Kleinen und Aktivisten auf vier Beinen.

Es ist ja heute kaum vorstellbar,

dass lange schon der VfL war,

bis Firmen sich hier niederließen,

die echten Weltruhm hier genießen.

Weltruhm wäre auch nicht nötig,

ist er doch im Umkreis tätig,

für alle, die Bewegung suchen,

nicht nur Rosinen in dem Kuchen.

Du bist als Vorbild viel prämiert,

wirst in der Fachwelt oft zitiert.

Das Ganze jetzt anderthalb Jahrhundert

und deshalb manchmal auch bewundert.

Ich darf schon lange davon zehren

und weiß zu schätzen es in Ehren.

Drum sag ich jetzt das eine noch:

Der VfL, er lebe hoch!

Presse | Eissport | 19.08.2012

Der Dauerbrenner an der Abteilungsspitze

Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Krauter

Seit 1976 ist Gerold Siegmund Abteilungsleiter der Sindelfinger Eissport-Abteilung. Der geplante Neubau einer Eissporthalle hielt die VfL-Eissportler über ein Jahrzehnt lang auf Trab.

„Aus heutiger Sicht war es die richtige Entscheidung, die Eissporthalle nicht zu bauen. Die Bevölkerung hat heutzutage ein viel größeres Energie- und Umweltbewusstsein als es früher der Fall war. Da würden die immensen Unterhaltungskosten für eine Eishalle sicherlich nicht auf breite Zustimmung stoßen", sagt Gerold Siegmund.

Die Eissporthalle sollte 1977 kommen: neben dem Sindelfinger Hallenbad. Das beschloss der Sindelfinger Gemeinderat mit großer Mehrheit am 2. November 1976. Aus den Plänen mit dem Baubeginn für die Eissporthalle im Jahre 1977 wurde nichts. 1978 stellten die Böblinger Stadträte einen Antrag, dass Verhandlungen mit der Stadt Sindelfingen aufgenommen werden sollten, um eine gemeinsame Eissportanlage zu planen und zu bauen. Die Anlage sollte von den Bewohnern der beiden Städte wie auch der umliegenden Gemeinden gut erreichbar sein.

So sprach sich der Kreisausschuss am 31. März 1978 für eine gemeinsame Eissportanlage von Sindelfingen und Böblingen aus. „Wir sollten die Eissporthalle so schnell wie möglich bauen", sagte Sindelfingens SDP-Gemeinderat Hermann Pfeffer damals. Böblingens Bürgermeister Gerhard Wolf betonte, dass die Stadt Böblingen eine gemeinsame Eissporthalle „aufs wärmste empfiehlt".

Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Dieter Burger wollte sich in der Standortfrage noch nicht festlegen: „Solange wir im Gemeinderat diese Frage noch nicht diskutiert haben, wäre es verfrüht, eine Stellungnahme abzugeben."

„Eis-Hick-Hack in Sindelfingen" unter diesem Titel schrieb Gerold Siegmund am 22. April 1978 eine Kolumne in der Sindelfinger Zeitung: „Eines ist klar, teurer wird eine solche gemeinsame Anlage und Folgekosten werden dadurch auch nicht gespart. Trotzdem würden wohl alle Sindelfinger und Böblinger Eisläufer fast jeden Standort akzeptieren. Die Hauptsache, es wird sofort zielstrebig mit der Planung und dem Bau begonnen. Irgendwie fühle ich mich auf gut schwäbisch zu sagen verarscht, weil ich dem Sportausschuss dieses Gemeinderats angehöre und außerdem versuche, seit Jahren die Eissportabteilung zusammenzuhalten."

Am 13. Juni 1978 stimmte der Sindelfinger Gemeinderat gegen eine gemeinsame Eissporthalle mit Böblingen. „Wir bedauern diesen Beschluss sehr. Gerade die gemeinsame Halle wäre ein Paradebeispiel für eine gemeinsame Lösung von Böblingen und Sindelfingen. Zwei Eissporthallen auf diesem engen Raum wären Unsinn und würden im Land Unwillen hervorrufen", sagte Böblingens Oberbürgermeister Wolfgang Brumme nach der Entscheidung.

Am 21. Februar 1979 wagten die Verantwortlichen von VfL Sindelfingen und SV Böblingen mit dem „Druck" von zusammen 11000 Mitgliedern einen gemeinsamen Vorstoß, um die Stadtväter zu der Entscheidung zu bringen, eine gemeinsame Eislaufhalle zu bauen. Der Vorstoß fand allerdings kein Gehör.

Dann gab es unerwartete Probleme was den Bau in Sindelfingen anbelangte. Die Stadt erhielt keine Genehmigung, auf dem Gelände in der Nähe des Badezentrums die Bäume abzuholzen. Auch der Brocken von 20 Millionen Mark schien der Verwaltung dann doch viel zu hoch. Das Thema Eissporthalle verschwand somit wieder in der Versenkung.

1985 feierte die Eissport-Abteilung des VfL Sindelfingen ihr zehnjähriges Bestehen. Es waren eher traurige Feierlichkeiten für die 100 Mitglieder. Denn zehn Jahre Eissport in Sindelfingen hießen auch zehn Jahre vergebliches Warten auf eine Eishalle. „Und das in dieser sportbegeisterten Stadt", stöhnte Abteilungsleiter Gerold Siegmund damals. Man lebte von der Hoffnung: „Eines Tages..." Und so zogen Kunstläufer, Eishockeyspieler, Schnellläufer und Eisstockschützen weiter durchs Ländle. 1985 gastierten sie in der Eissporthalle in Reutlingen.

1989 wagten die Verantwortlichen der beiden Städte einen erneuten Vorstoß für eine gemeinsame Eishalle am „Alten Gütle" und bei den Eissportlern keimte noch einmal Hoffnung auf. Zwei Jahre später „stirbt" die Gütleplanung endgültig und es machte sich Ernüchterung bei Gerold Siegmund und seinen Vereinskollegen breit. Im selben Jahr wurden die Trainingsaktivitäten der VfL-Eissportler in Reutlingen mangels Teilnahme beendet. „Die Miet- und Fahrtkosten nach Reutlingen wurden zu hoch. So kehrten immer mehr Mitglieder der Abteilung den Rücken zu", sagt Gerold Siegmund.

Das Team um Gerold Siegmund ließ sich nicht unterkriegen und baute im Jahre 1999 bei der Tennishalle eine Sommereisstockbahn auf Asphalt. „Wir treffen uns meistens am Wochenende und genießen gemeinsam schöne Stunden", so Gerold Siegmund.