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Seit einem Jahr steht die ehemalige Handballerin Anette Bronder an der Spitze des VfL Sindelfingen Die Lust an der Dreifach-Belastung
Sie wohnt mit ihrem Mann und den zwei Kindern in Stuttgart-Feuerbach, ihr Schreibtisch steht bei Vodafone in Düsseldorf und seit einem Jahr ist sie Präsidentin des VfL Sindelfingen: Anette Bronder. „Der Sport hat mir viel gegeben, jetzt kann ich der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt die 43-Jährige.
Philipp Hamann
Familie, Beruf und Ehrenamt. Für Anette Bronder ist das eher Lust als Last: „Im Verein finden sich die verschiedensten Menschen. Diese Vielfalt macht für mich den Reiz ehrenamtlichen Engagements aus.“
Doch bereits in ihrem ersten Jahr an der Spitze des VfL musste sie den Verlust des Bundesliga-Handballs für Sindelfingen hinnehmen. „Wir haben im Vorstand lange über dieses Thema diskutiert und wir werden aus dieser Sache auch lernen. Mit der Handball-Sport-Marketing GmbH hatten wir das Risiko für den Verein minimiert. Mit einem weinenden Auge haben wir dann die Bürgschaft dem neuen Investor zur Verfügung gestellt“, so Anette Bronder.
Viel schlimmer als der Verlust der Bundesliga wiegt für die VfL-Präsidentin, „dass der strukturelle Unterbau fehlt“. Das ist für die ehemalige Regionalliga-Torhüterin des VfL nur schwer zu verdauen. Doch Handball ist nur eine von insgesamt 27 VfL-Abteilungen. Von Aikido bis Volleyball sind fast alle Sportarten in Sindelfingens größtem Sportverein vertreten.
Doch der demografische Wandel und seine Folgen treibt auch Anette Bronder um: „Wir müssen die Attraktivität des Vereins weiter ausbauen, Mitglieder gewinnen und in Nischen vorstoßen.“
Die VfL-Präsidentin setzt dabei auf Kooperationen mit anderen Vereinen, Unternehmen und der Stadt. „Sport ist doch eine der wenigen Sachen, die man noch zu vernünftigen Preisen machen kann“, so Anette Bronder. Dabei hat sie vor allem den Nachwuchs im Blick: „Die Kinder, die es nach dem Geburten-Knick gibt, müssen wir versuchen für den Sport zu gewinnen.“ Die VfL-Präsidentin hofft in diesem Punkt auch auf die vereinseigene Kindersportschule.
Aber selbst diejenigen, die beruflich sehr eingespannt sind, hat Anette Bronder nicht abgeschrieben. Ganz im Gegenteil: „Hier müssen wir unseren Service ausbauen. Der Sport muss zu den Menschen kommen und nicht umgekehrt.“
Seit 15 Jahren im VfL-Vorstand
Seit mehr als 15 Jahren sitzt Anette Bronder im VfL-Vorstand und seit einem Jahr steht sie an der Spitze des Großvereins. Die ersten 365 Tage in ihrem Amt, fallen positiv aus. „Ich denke, wir haben ein gutes und solides Jahr hinter uns. Trotz der schweren finanziellen Situation der Stadt, mussten wir keine finanziellen und strukturellen Einbußen hinnehmen“, sagt die VfL-Präsidentin.
Auch vor der Zukunft ist der 43-Jährigen nicht bange: „Mit dem neuen Finanzbürgermeister Christian Gangl haben wir einen guten Gesprächspartner gefunden. Ich bin optimistisch, dass wir zumindest den Status Quo halten können.“
Das will sie am kommenden Mittwoch (19 Uhr, Judohalle im Glaspalast) auf der Delegiertenversammlung des VfL Sindelfingen auch den Mitgliedern sagen. Es wird ihre erste Rede vor diesem Publikum sein, denn im vergangenen Jahr, bei ihrer Wahl zur VfL-Präsidentin, saß sie auf dem Flughafen in Barcelona fest. Dennoch wurde sie einstimmig zur Nachfolgerin der scheidenden Anke Maruschka bestimmt.
Diesen Vertrauensvorschuss der VfL-Delegierten will Anette Bronder weiter zurückzahlen. Mit Lust, trotz der Dreifach-Belastung von Familie, Beruf und Ehrenamt. Nur mit dem Training in der Sportwelt klappt es nicht so richtig. Da war ihre Vorgängerin Anke Maruschka häufiger anzutreffen. „Ich bin natürlich Mitglied. Ich spiele aber auch gern Badminton“, so die ehemalige Handball-Torhüterin.
Auch mit Golf hat sie vor Kurzem angefangen: Anette Bronder: „Das habe ich mit Rücksicht auf meinen Mann gemacht, doch um das ernsthaft zu betreiben, fehlt mir die Zeit.“ Auch für die VfL-Präsidentin hat der Tag nur 24 Stunden.
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